Spaniel-Club CH - Trimm Workshop in Pfyn 29. April 2017

Eine haarige Geschichte
Trotz schlechtem Wetter an diesem Samstagmorgen (im Radio werden zahlreiche Unfälle wegen Schnee bis in tiefe Lagen gemeldet) fahren Kursteilnehmer aus der ganzen Schweiz mit ihren felligen Lieblingen in den schönen Thurgau nach Pfyn, nahe Frauenfeld. Es sind ein Dutzend Frauen und Männer mit ihrem Cocker oder Springer Spaniel, nicht wenige davon aus der Jagd. Der Kurs war im Hunde-Magazin ausgeschrieben mit dem Ziel, interessierten Spanielbesitzern die Praxis des rassetypischen Trimmens am eigenen Hund zu vermitteln. Kursleiterinnen sind: Jacqueline Läderach, Züchterin von English-Cocker-Spaniels, und Theres Schmid, Züchterin von English-Springer-Spaniels und Präsidentin des Spaniel Clubs Schweiz.

Eine Fabrikhalle, wo sonst Schiffe gebaut werden, dient an diesem Tag als Hundesalon. Trimmtische werden aufgebaut, alle Arten von Scheren, Kämmen und anderes Zubehör ausgepackt. Jeder Vierbeiner sucht sich mit seinem Mensch einen geeigneten Platz. Hunde beschnuppern die Halle, Menschen beäugen den Raum neugierig. Erstaunlich wenig Gebell! Die Hunde sind vollumfänglich beschäftigt mit ihrer sprichwörtlich exzellenten Spürnase. Bald schon dürfte den cleveren Hunden klar sein, dass heute ein haariges Wellness-Programm auf sie wartet.

Welch ein herrliches Bild! Geduldig, gar elegant liegen sie auf den Tischen in erhöhter Position. Braun-weisse und schwarz-weisse English- Springer- Spaniels mit neckisch braunen oder schwarzen Punkten auf dem Fang beobachten gelassen mit durchwegs gutmütigen Hundeaugen das Geschehen. Keck zaubern dazwischen die kleineren English-Cocker-Spaniels mit ihrer blossen Anwesenheit und ihrem typisch heftigen Schwanzwedeln ein Lächeln auf das Gesicht eines jeden Betrachters. Genau so sind sie, unsere wunderbaren Spaniels!

Nun ist es Zeit für den Menschen, sich selbst in den Fokus des Geschehens zu rücken, denn heute geht es einmal nicht um tierische Erziehungsfragen, sondern um neues Know-how für den Menschen in Bezug auf die Fellpflege des Spaniels. Fröhlich und gut gelaunt begrüsst Jacqueline alle sechsbeinigen Mensch-Hund-Paare – und schwupps - steht auch schon der erste Cocker auf dem Vorführ-Trimmtisch, umrundet von wissensdurstigen Hundebesitzern. Damit stecken wir mittendrin in der Thematik. Bevor der Hund weiss, wie ihm geschieht, fühlt er seine Pfote korrekt und sanft gehalten in Menschenhand. Schon wird die erste Cocker-Pfote mit der Schere in Form geschnitten. Haare fliegen, verschwinden zuerst noch fein säuberlich im bereit gelegten Säcklein, aber schon bald erweist sich diese gut gemeinte Sorgfalt als Sissifus-Arbeit. Zu schnell ist der kleine Kotbeutel mit einer solchen Menge Haar hoffnungslos überfordert, der Betonboden verwandelt sich allmählich zum haarigen Teppich.
Wir erhalten eine Einführung ins richtige Werkzeug und dessen korrekten Gebrauch. So manchen überaus nützlichen Tipp nehmen wir sehr gerne entgegen und lernen, wie das Tier auf dem Tisch gefordert, aber nicht überfordert wird, wie man den Hund anpackt, um ihn schön zu machen ohne ihm weh zu tun und vor allem, wie man einen Spaniel rassetypisch trimmt. Wir erlernen den richtigen Gebrauch des Coat-King, der Effilier-, der Bogen- und der Pfotenschere und hören, wo die Maschine zum Einsatz kommen darf und wo nicht.

Der Springer ist im Vergleich zum Cocker doch recht pflegeleicht. Da er nicht so viele Haare hat wie der kleinere Verwandte, muss sein Körperfell meist erst im fortgeschritteneren Alter getrimmt werden. Ohren und Pfoten jedoch bedürfen bei beiden einer besonderen Aufmerksamkeit. Die Pflege des Cockers erfordert etwas mehr Geduld und Fingerspitzengefühl. Damit sein Fell schön seiden glänzt und nicht verfilzt, muss es täglich gebürstet werden. Ausserdem soll das viele Haar alle acht bis zehn Wochen gründlich getrimmt werden. Schon aus diesem Grund ist jeder Cocker-Besitzer gut beraten, bereits den Welpen an den Trimmtisch zu gewöhnen. Der kleine Liebling wird diese besondere Zuwendung ganz schnell mit einer treu ergebenen Anhänglichkeit zu seinem Menschen verdanken, mit einer festeren Bindung zu ihm und dadurch auch besserem Gehorsam und leichterer Führbarkeit.

Ein gepflegter Spaniel erhält ganz sicher auf manchen Spaziergängen bewundernde Blicke und ist überall willkommen. Welchen Hundebesitzer erfüllt dies nicht mit heimlichem Stolz? Natürlich kann man den Hund auch in den Hundesalon bringen und die Arbeit einer Fachperson überlassen. Selber Pflegen und Trimmen hat jedoch viele Vorteile:
- Die pflegerischen Grundtechniken sind einfach zu erlernen – und es macht Spass
- Die Bindung zum Tier wird gefestigt
- Die Gesundheit des Hundes wird auf diese Weise regelmässig kontrolliert
- Möglicher Stress im fremden Hundesalon kann vermieden werden
- Komplimente für einen gepflegten Hund bereiten Freude und ermöglichen es dem Hund, seinen Menschen fast überall hin begleiten zu dürfen

Ein Dutzend Männer und Frauen beschäftigen sich konzentriert zupfend und scherend mit ihren Hunden auf den Trimmtischen. Zwischen dem Rattern einer Schermaschine oder dem schnipsenden Geräusch der Effilierschere holt man sich schon mal Rat oder Austausch vom Nachbarn und ruft Jacqueline oder Theres um Hilfe. Überall werden sie gebraucht und um Tipps gebeten, die sie kompetent, freundlich und gerne weiter geben. Zwischendurch gönnt man sich und dem Hund kleine Laufpausen auf dem Gelände rund ums Haus – dann geht es schnell wieder weiter im Programm.

In der Mittagspause gibt es feine Sandwiches, liebevoll hergestellt von Jacquelines Familie. Nach diesem Imbiss, einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen arbeiten alle gestärkt und neu motiviert weiter am Fell des Hundes. Je schöner der Spaniel, je mehr Wissen im Kopf seines Besitzers!

Punkt 16 Uhr kann der Workshop beendet werden. Und wie sich das Resultat sehen lässt! Wow! Zwölf perfekt gestylte und wunderschöne Spaniels verlassen stolz in Begleitung von Frauchen oder Herrchen den improvisierten Hundesalon, um sich auf den gewohnten Platz im Auto zu legen und wahrscheinlich in glücklichem Hundeschlaf den kürzeren oder längeren Heimweg anzutreten. Ich selber fahre nun nach Hause ins Luzernische, viel nützliches Neuwissen im Kopf und meinen frisch gepflegten und absolut fotogenen Cocker Spaniel im Auto. Von seinem wunderbaren Wesen hat er durch diesen Workshop nichts eingebüsst, dafür viele, viele Haare! Sein tolles Aussehen werde ich fortan selbst auf diesem Niveau halten können. Damit ist für mich das Ziel des Workshops erreicht. Jacqueline Läderach und Theres Schmid aber werden am folgenden Tag an einem zweiten Workshop mit nochmals einem Dutzend Teilnehmern am selben Ort erneut gefordert. Herzlichen Dank beiden in ihrem Fach sehr kompetenten Frauen für diesen in freundlicher, geduldiger und unkomplizierter Art durchgeführten Kurs zum Wohle unseres guten vierbeinigen Freundes.

Von diesem Workshop habe ich sehr profitiert und möchte diese sinnvolle Weiterbildung auch anderen Spaniel-Besitzern von Herzen empfehlen und gönnen. Auch nach Jahren hat man nie ausgelernt. Die hohe Anzahl der Teilnehmer trotz teils recht weiten Anreisewege hat eindrücklich bewiesen, dass eine sehr grosse Nachfrage nach einem Kurs dieser Art unter Spanielbesitzern besteht. Wie schön, wenn regelmässig Trimm-Workshops angeboten werden könnten!

Maria Wolf